22.07.2015 - Wie viel kostet Hoffnung?

5 Minuten Achtsamkeit kosten nichts aber Menschen sterben trotzdem.

Wenn wir Hunger haben gehen wir an den Kühlschrank oder fahren essen. Wir waren auf dem Weg in die Stadt. Hatten Hunger. Florian und ich hielten bei einem FastFood Restaurant. Warum auch nicht. Ein vernünftiger Umgang damit muss nicht zwangsläufig zur Fettleibigkeit oder gar Mangelerscheinungen führen.
TacoBell - für ein paar Dollar unvernünftig essen und etwas Spaß haben. Nahrungsaufnahme und weiter geht's. 
Wir haben nicht aufessen können und ich habe uns den Rest eingepackt. Wir gingen gerade zum Auto da sah ich einen offensichtlich „Obdachlosen“ vor der Tür sitzen. Offensichtlich deswegen, weil man hier in LA ziemlich schnell erkennt wem es gut geht und wem eben nicht. Es gibt eine klare Trennung zwischen den Hippen, organic, veganen, der gesunden priusfahrenden Mittelschicht und den Anderen. Die BlingBling BerverlyHills Society mal außen vor gelassen.

Der Mann saß dort und wir schauten nach unten, den er hockte auf dem Bürgersteig. Seine Haut war dunkel. Mandelfarbig. Keine teure Pazifik Bräune, keine schicke Mittelmeerbräune - nein seine Haut war über eine lange Zeit der ungeschützten Sonne ausgesetzt. Seine Haare verfilzt und von der Luft und der Sonnen ebenfalls irgendwie verblichen. Seine Fingernägel sprachen eine eindeutige Sprache - seine Kleidung entsprechend zerschlissen. Ein typischer LA, Venice, SantaMonica? Homeless-look.

Florian und ich gingen an ihm vorbei. Stiegen in unser Auto und ich fragte ich - Was machen wir hier?! Ich ging zurück zu ihm und gab ihm mein Wechselgeld. Es war nur ein 5$ Schein. Es waren nur Sekunden. Ich gab ihm den Schein, er nahm ihn - sah mich an und sagte God Bless you. Ich sah in seinen Augen und an seinem Lächeln etwas warmes etwas reines. Ich war gerührt, erschrocken über die Kraft seines Ausdrucks und ich merkte wie sich mein Hals zuschnürte und ich heulen wollte. Ich ging zurück zum wagen. Stieg wieder ein und sah Florian der die Tüte mit unseren Resten auf dem Schoß hatte. Ich bat ihn die Tüte zu dem Mann zu bringe. Ich sagte, Flo geh mal bitte zu ihm und frag ihn - Do you like some food. Flo ging die paar Schritte vom Wagen zum Bürgersteig. Ich konnte nicht hören was die beiden sagte aber ich sah, dass er die Tüte nahm. Sein Gesicht war wieder so lieb und ihn zu zögern packte er die Tacos aus und fing an sie zu essen.

Ehrlich gesagt konnte ich gar nicht mehr hinsehen und musste mich zusammenreißen. Ging aber nicht also rollte mir ein paar Tränen hinter der Sonnenbrille die Wangen runter. Ich fühlte mich nicht gut und dann doch wieder. Nicht weil ich ihm etwas gegeben haben sondern weil wir so ein verdammtes Glück haben. Ich kann Florian beibringen was Geben bedeutet, ich habe die Möglichkeit zu geben. Wir leben auf der richtigen Seite der Welt. Während Menschen sich wegen eines falschen Glaubens umbringen, allgemeine Maßlosigkeit uns zugrunde richtet und Werte - wertlos sind - in dieser Zeit vergesse auch ich oft achtsam zu sein. Nach unten zu schauen und viel mehr zu teilen. Viel mehr. Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Bitte, Danke und Respekt zu teilen und ja auch Geld.

Es ist schwierig etwas Gutes zu tun wenn auch das Gute tun wieder schlecht interpretiert wird. Gewissen beruhigen. Tropfen auf dem heißen Stein, das tut dem doch nicht weh ein paar ( tausend ) Dollar etc zu spenden. Um all das geht es mir nicht, ging es mir nie.

Worum es mir geht ist das was dann passierte.

Wir fuhren los. Runter vom Parkplatz auf den großen Blv. Richtung 3rd Street Promenade. 4 Blocks entfernt von TacoBell musste ich umdrehen. Ich wollte wissen, ob es dem Mann gut ging. Ich habe ihn nichts gefragt. Einfach weggefahren - was ist los mit mir und meiner großen Fresse. Komm schon! Das kannst Du besser, dachte ich mir. Also - umdrehen !

Flo fragte was machst Du Papa. Fahren wir nicht mehr in die Stadt? Doch, sagte ich, aber ich muss etwas sehen……ich habe etwas vergessen.

Ca. 15 Minuten später kamen wir wieder an dem TacoBell an. Der Mann war verschwunden. Fuck dachte ich. Scheiße…. Flo sagte: Papa, schaust Du noch mal nach dem Mann?
Ja und jetzt ist er weg. Mist….

Wieder runter vom Parkplatz und wieder rauf auf den Blv. 2 Blocks später sagte ich zu Flo - hey, hey schau mal ist er das? Ich sah sein braunes Shirt und die Sonnen-gebleichten- Haare. 
Ich fuhr schnell an die Straßenseite. Hupte 2-3x und er sah uns. Ich rief rüber, relativ laut… Hey come on over for a sec.
Florians Fenster war unten. Flo gab ihm noch mal 20$ ohne etwas zu sagen. Er sah mich an. Schaute Flo an. Sehr fokussiert fragte er. Warum tust du dass? Und fügt direkt an - God Bless You and your son. 
Man, ich hätte losheulen können. Der Klos in meinem Hals war so groß wie eine Melone. Er war so unglaublich offen und seine Augen strahlten. Er fragte dann sehr ernst - Wo wohnt ihr und wie kann ich es euch zurückzahlen? Wie kann ich es gut machen?

Ich habe ihm zweimal geantwortet - Please, please take care of yourself. Ich weiß nicht ob das angemessen war aber es kam einfach nichts besseres aus mir raus.

Er ging dann wieder einen Schritt vom Wagen zurück. Sah mich immer noch an und sagte zwei mal.

You gave me hope - YOU gave me hope. Thank you man….

Dann drehte er sich um und ging.

Ich fing an zu heulen. Ein bisschen…. der Knoten in meinem Hals musste sich lösen.
Fuhr im Schritttempo wieder auf die Straße zurück und ich brauchte ein paar Momente um zu verstehen was da passiert ist.

Und vor allem - was wir ALLE tun können.

Wir können durch so eine beschissene kleine Portion an Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und mit ein paar Dollar / EUR - Wir können Hoffnung geben ! Jedem und jeden Tag. Freunden, Partnern, Kunden. Mitarbeiter.

J E D E M

Florian war ruhig. Ich sah in seinen Augen, dass er fühlte - fühlte dass etwas besonderes passiert ist und er spürte es auch. Wir haben es nicht zerredet oder noch weiter darüber gesprochen. Was auch immer er gesehen, gefühlt oder ggf gelernt hat. Ich hoffe er wird sich erinnern!

Warum teile ich das hier mit Euch? Eigentlich braucht es keiner Erklärung. Eigentlich nicht und uneigentlich höre ich schon wieder die Unkenrufe. Die sind mir gerade mal ( wie immer ) so was von egal. Aber ich möchte mit allem was ich tue etwas bewirken. Wer will das nicht ?! Wer will in seiner Bedeutungslosigkeit untergehen. Wir werden die Glaubenskriege nicht stoppen oder das Flugzeuge abgeschossen werden.

Ich muss aber auch nicht wegschauen ! Das ist meine Entscheidung. Und alles beginnt mit einer kleinen Geste. Und Elend beginnt wenn man aufhört miteinander zu sprechen. That simple.

DANKE fürs lesen und was immer ihr aus meiner Erfahrung macht - es ist ein Impuls - nicht mehr aber auch nicht weniger !

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